Computersicherheit
Diese Seite beschreibt Erfahrungsberichte im Umgang mit Viren, Trojanern und anderen Schadprogrammen.

Bundespolizei-Trojaner

Diesen Trojander hat man auf dem Computer, wenn nach dem Starten von Windows eine Meldung mit der Überschrift "POLIZEI Cyber Crime Investigation Department" erscheint und man den Computer nicht mehr benützen kann. Die Meldung teilt sinngemäß mit, dass der Computer von der Polizei gesperrt wurde, weil man gegen Gesetze verstoßen habe, die mehrere Jahre Haft einbringen. Man könne sich aber durch das Überweisen von einigen 100 EUR die Haftstrafe ersparen.

Ein Screenshot der Meldung des Bundespolizei-Trojaners
Abbildung 1: Ein Screenshot der Meldung des Bundespolizei-Trojaners


Natürlich ist hier kein Geld zu überweisen. Bei mir hat folgende Vorgangsweise bei einem Fall auf Windows XP geholfen:
  • Windows im "Abgesicherten Modus mit Eingabeaufforderung" öffnen. (Beim Booten F8 Taste drücken, damit man zur Auswahl des Boot-Modus kommt.)
    Man kann auch nur den Abgesicherten Modus verwenden. Es hat zumindest bei mir kein Problem verursacht. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man den "Abgesicherten Modus mit Eingabeaufforderung" verwenden.
  • Im Command-Prompt mit "regedit" die Registry öffnen.
  • In der Registry unter den beiden Pfaden
    • HKEY_CurrentUser/Software/Microsoft/Windows/CurrentVersion/Run
    • HKEY_LocalMachine/Software/Microsoft/Windows/CurrentVersion/Run
    nach "dubiosen" Einträgen suchen. Bei mir hieß der Eintrag ctfmon.exe.
  • Den Eintrag öffnen und den Namen der Datei, die darin vermerkt ist, aufschreiben. Danach muss der Eintrag gelöscht werden.
  • Die aufgeschriebene Datei mit dem File Explorer löschen. (Im Eingabemodus mit "explorer" starten.) Im Autostart schien die Datei ebenfalls auf, diese ist daraus zu löschen.
  • Nach einem anschließenden Neustart sollte die Meldung nicht mehr erscheinen. Ich habe danach aber einen Virenscan durchgeführt. Dieser hat unter anderem folgende Datei aufgespürt:

    C:\Windows\system32\drivers\BMLoad.sys

    Diese konnte ich im abgesicherten Modus im File Explorer löschen, nachdem der Virenscanner AVG das nicht schaffte. Es handelt sich dabei um ein Rootkit der ein Infizieren des Computers erleichtern soll.
Außerdem ist es hilfreich zu wissen, wann der Trojaner auf dem Rechner aufgetreten ist. So kann man nach Dateien suchen, die sich zu diesem Zeitpunkt geändert haben, und sie gegebenenfalls löschen.

Weitere Erfahrungen:
Ein weiterer Fall eines Bundespolizei-Trojaners diesmal auf Windows 7. Als ich den Computer startete konnte ich allerdings noch damit arbeiten und stellte fest, dass im Autostart wieder ctfmon eingetragen war. Diese verlinkte auf C:\Program Data\lsass.exe mit dem Parameter C:\Users\<Benutzerkonto>\AppData\Local\Temp\<Dateiname mit zufälligen Zeichen>. Ich konnte sogar noch in diesen Temp Ordner wechseln und Dateien löschen. Allerdings nicht die verlinkte Datei, weil ein Prozess sie verwendete. Der Trojaner erlaubte es mir danach nicht den Taskmanager zu öffnen.

Folgende Vorgangsweise löschte den Trojaner:
  • Windows im Abgesicherten Modus starten.
  • ctfmon aus Autostart endgültig löschen. (Shift+Entf)
  • Die Datei lsass.exe aus dem Verzeichnis C:\Program Data endgültig löschen. (Shift+Entf)
  • Den Inhalt von C:\Users\<Benutzerkonto>\AppData\Local\Temp\ endgültig löschen. (Shift+Entf)

Zusäztliche Informationen:
ctfmon.exe ist immer wieder als Trojaner durch das Internet gegeistert. Mittlerweile ist das ganze aber auch von Seiten Microsoft (http://support.microsoft.com/kb/282599) ziemlich gut aufgeklärt. In den neuen Office-Versionen wird diese Datei nicht mehr eingesetzt und so sind auch die Aufrufe zur Warnung vor ctfmon.exe in letzter Zeit stark zurückgegangen. Auf dieser Seite gibt es eine sehr gute Zusammenfassung über ctfmon.exe:
  • ctfmon.exe sollte sich im Pfad C:\Windows\System32 befinden, ansonsten handelt es sich um einen Virus bzw. Trojaner.
  • ctfmon.exe kann ältere Systeme verlangsamen. Man kann in der Systemsteuerung unter Regions- und Sprachenoptionen/Sprachen/Details/Erweitert "Alle erweiterten Textdienste deaktivieren" ausschalten.
Eine weitere Beschreibung, wie man den Bundestrojaner erkennen kann, findet man hier. Demnach müsste man überprüfen, ob unter C:\windows\system32 die Datei mfc42ul.dll liegt und beim Systemstart die Datei winsys32.sys geladen wird. Außerdem sollte man mittels Firewall die Kommunikation des Windows-File-Explorers ins Internet blockieren. Da ich zum Zeitpunkt des Auftretens des Trojaners diese Informationen noch nicht hatte, habe ich mit diesen Maßnahmen keinerlei Erfahrungen.

In einem weiteren Fall wurde vom Benutzer das Programm Spyhunter installiert, um den Trojaner zu löschen. Dies sollte man auf keinen Fall tun!!! Spyhunter ist ebenfalls ein Trojaner und kann noch größeren Schaden anrichten. Ich konnte Spyhunter über die Systemsteuerung deinstallieren. Ich habe danach manuell nach Dateien von Spyhunter gesucht und diese direkt gelöscht.

System Progressive Protection Trojaner

Hier hatte ich einen Fall auf Windows 7, bei sich dem nach dem Systemstart sofort ein Fake-Virenscanner meldet. Bei jedem Programm das man öffnen will, wird von diesem Programm ein Fenster geöffnet, das sagt, dass das Programm infiziert ist. Die Performance des PCs wird ebenfalls stark beeinträchtigt.

Ein Screenshot der Meldung
Abbildung 2: Ein Screenshot eines Fensters des System Progressive Protection Trojaners
(Abfotografiert vom Topic System Progressive Protection entfernen im Forum http://www.trojaner-board.de/)


Für diesen Trojaner habe ich hier eine sehr gute Anleitung zur Fehlerbehebung gefunden. Konkret habe ich folgende Schritte durchgeführt:
  • Windows 7 im abgesicherten Modus mit Eingabeaufforderung gestartet.
  • Die Registry mit "regedit" geöffnet.
  • Unter HKEY_CurrentUser/Software/Microsoft/Windows/CurrentVersion/RunOnce gibt es einen Eintrag der sich durch die zufällige Aneinanderreihung von Zahlen und Buchstaben auszeichnet. In meinem Fall hat er mit 09D5C69... begonnen. Damit sind folgende Dinge zu tun:

    • Zunächst den Wert der Datei aufschreiben, die dadurch referenziert wird. (In meinem Fall war es der Ordner C:\ProgramData\09D5C69...)
    • Danach den Eintrag löschen.
  • Danach den File-Explorer mit "explorer" öffnen und den Ordner löschen.
  • Neustart durchführen und den Virenscaner einen vollständigen Check durchführen lassen.
  • Nach Dateien suchen, die sich am heutigen Tag geändert haben und verdächtige Dateien wenn möglich löschen.