Payerbach - Bodenwiese - Gahns - Gasteil

Überblick

Einleitung

Diese Route ist eine meiner "Standard-Wanderungen", wenn man das so schreiben darf. Was heißt denn das eigentlich? Naja, ich versuche zumindest einmal im Jahr diese Wanderung in Angriff zu nehmen.

Warum ist das so? Einerseits gefällt mir der Weg mit seinen Waldabschnitten mit einigen Felsen hinauf zur Jubiläumswarte (für mich die einzig wahre! Denn es gibt ja mehrere, wie hier zu lesen ist.), wo es dann einen einzigartigen Panorama-Blick über das Tal, über den Kreuzberg bis hin zur Rax zu genießen gibt. Zweierseits gibt es auf dem Weg mit der Waldburgangerhütte und der Pottschacher Hütte zwei schöne Stätten zum Einkehren. Dreierseits faszinieren mich auch immer wieder die fast schon legendären Ameisenhügel auf dem Gahns. Viererseits gibt es auch die Möglichkeit hier von einem Bahnhof (Payerbach) zum anderen (Pottschach) zu gehen, weshalb ich mit Freunden aus Wien hier auch schon wandern konnte. Alles in allem also eine Pflichtwanderung!

Und im Jahr 2011 war es am 4. September so weit, dass ich jemanden für diese Wanderung begeistern konnte. Johann war mein Wanderkollege an diesem sonnigen und sehr warmen Tag, an dem wir beide eine recht kurze Nacht hinter uns hatten. Beide waren wir auf Feiern bis ca. 3:30 Uhr und dem Alkoholgenuss nicht abgeneigt gewesen. Allerdings habe ich locker 20 Kilo mehr auf dem Bauch und natürlich chronisch keine gute Kondition, weshalb ich den ganzen Tag hinterher hechelte. (Laut Meinung meiner Freundin wären es sogar 30 Kilo mehr. Mein aktuelles Kampfgewicht an dem Tag waren 91 kg!)

Aber genug der Vorrede. Um 8:00 Uhr ging's los!

Steil bergan!

Wir starteten am Payerbacher Bahnhof, an dem Johann sein Auto stehen ließ. Durch eine Unterführung wechselten wir auf die andere Seite und von nun an, ging es bergauf. Aber aufgrund meiner körperlichen Situation nahm ich das erst etwas später so richtig wahr.

Zunächst ging es noch auf der Asphaltstraße dahin. Vorbei an Kühen, die sich sogar streicheln ließen. Dabei diskutierten wir kurz über den Umstand, dass ich immer wieder verblüfft bin, wenn ich mit Städtern wandern gehe und die von Kühen total von den Socken sind. Während wir von einer nordischen Wandererin (Johann: "Na, da ist aber eine schneller als wir!" Nordic Walkerin: "Na ich geh ja auch nicht so weit.") überholt wurden, erläuterte mir Johann, dass viele Leute nicht einmal wissen, wie die Milch ins Packerl kommt. (Komischerweise finde ich darüber auch keinen Wikipedia-Artikel! Hm, welche Schlüsse kann man daraus ziehen?)

Kurz bevor wir dann die Serpentinen der Straße mit Waldwegen abkürzen konnten, sahen wir noch eine Herde von Langhaarrindern. Ein kleines Kalb hatte es geschafft, von der abgezäunten Weide zu türmen. Es stand neben unserem Waldweg und "kratzte" sich gerade, als ich abdrückte. Gottseidank hab ich noch rechtzeitig meine Kamera aus dem Rucksack rausbekommen.

Abbildung 1: Ein sich kratzendes  
        schottisches Langhaarrindjunges
Abbildung 1: Ein sich kratzendes schottisches Langhaarrindjunges


Nach dem ersten Waldabschnitt wurden wir von einer rothaarigen älteren Radfahrerin überholt. Sie fuhr in Schlangenlinie mit einem Damenrad den Berg rauf. Wir bogen in den nächsten Waldabschnitt ein und Johann schaffte es sie wieder einzuholen. Ich verpasste sie leider. Aber immerhin meisterte ich auch dieses Teilstück. Nach einem kräftigen Schluck aus der Wasserflasche offenbarte sich uns wieder ein wunderschöner Blick auf die einzig wahre Jubiläumswarte bzw. den Felsen auf dem sie sich befindet.

Abbildung 2: Die wahre Jubiläumswarte
Abbildung 2: Die wahre Jubiläumswarte (the one and only!)



Vorbei an einem Bauernhof, an dem die Asphaltstraße endgültig endete, erhaschten wir einen wundervollen Blick auf die Rax. Und die rothaarige Frau grüßte uns noch von der Ferne und fragte, ob wir auch diesen Weg entlang gingen. Noch ahnten wir nicht, dass sie uns in eineinhalb Stunden auf der Waldburgangerhütte etwas zu trinken bringen würde.

Abbildung 3: Ein Blick auf die Rax
Abbildung 3: Ein Blick auf die Rax



Danach wurde es aber erst so richtig steil. Allerdings entschädigten uns der wunderschöne Waldweg und die Felsen, über die man ab und zu stieg. Für mich ist das einer der schönsten Wanderabschnitte, die ich kenne!

Abbildung 4: Der Waldweg hinauf zur Jubiläumswarte
Abbildung 4: Der Waldweg hinauf zur Jubiläumswarte



Die wahre Jubiläumswarte

Wenn man es zu ihr geschafft hat, dann hat man sich eine Pause verdient. Meine Wasserreserven gingen diesmal hier zu Ende. Aber die Aussicht und die Ruhe an dieser Stelle ist einfach überwältigend. Und man wünscht sich, dass der Augenblick doch lange verweilen soll.

Ich bin natürlich kein guter Fotograph. Allerdings traue ich mich zu behaupten, dass man die Schönheit der Aussicht auf Fotos nicht festhalten kann. Man muss einfach selbst hier raufkommen und den Eindruck in sich aufnehmen! Ein beeindruckendes Beispiel für den Ausblick ist die Aussicht auf Payerbach, wo einem die Kehre der Südbahn mit dem Viadukt wie eine Modelleisenbahn vorkommt.

Abbildung 5: Ein Blick auf Payerbach
Abbildung 6: Ein Blick auf Payerbach mit der Kehre der Südbahn hinauf zum Kreuzberg



Ich erzählte Johann, dass ich hier einmal an einem Freitag nachmittag im Winter raufgegangen bin. Das Foto, das hier von der Rax entstanden ist, verwendete ich während meines Studiums für meine Bildverarbeitungsprogramme. Dieses Motiv sieht man hier in einer sommerlichen Ausgabe.

Abbildung 6: Die Rax von der Jubiläumswarte gesehen
Abbildung 6: Die Rax von der Jubiläumswarte gesehen



Aber genug der Schwelgerei! Wir rasteten noch ein wenig und machten uns dann auf zur Waldburgangerhütte. Bei diesem Abschnitt gibt es auch schon hin und wieder flache Abschnitte. Wir befürchteten schon, dass wir vorne überkippen würden. Es tat uns aber dann doch recht gut, mal wieder auf einer ebenen Strecke zu gehen.

Allerdings hatte es der letzte Anstieg rauf zur Bodenwiese wieder ganz schön in sich.

Die Bodenwiese und die Waldburgangerhütte

Und mit dementsprechender Verspätung kam ich nach Johann aber knapp vor 11 Uhr oben an. Allerdings ließen wir die Bodenwiese im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und kehrten gleich bei der Hütte ein. Mein erstes Getränk verdunstete aus unerfindlichen Gründen sofort. Bei Frittatensuppe (für Johann) und Bergsteigersuppe (für den erledigten Wanderinformatiker) genossen wir die Aussicht in Richtung Sonnwendstein, den ich zuletzt mit Ali und Christian bewanderte.

Abbildung 7: Der Johann, die Lichtreflexion und die Waldburgangerhütte
Abbildung 7: Der Johann, die Lichtreflexion und die Waldburgangerhütte
Dahinter unsere rothaarige Radlfahrerin und der Senior-Chef der Hütte



Die zweite Runde an Getränken wurde uns von unserer Radfahr-Bekanntschaft serviert, die uns erklärte, dass sie das Rad fürs Heimfahren noch bräuchte. Wir scherzten schon, ob sie nicht etwa schnell die Sonntagszeitung holen war.

Nachdem Johann erklärt bekommen hatte, dass sein Saft aufgrund akuten Wasserleitungsmangels nicht mit Leitungswasser aufgespritzt werden konnte, setzten wir unsere Wanderung fort. Aber nicht lange, denn wir begegneten der nächsten Aussicht, die wir auf eigene Gefahr bestiegen. Natürlich machte ich auch hier wieder einige Fotos von der schönen Aussicht.

Abbildung 8: Aussicht auf Sonnwendstein und Hirschenkogel
Abbildung 8: Aussicht auf Sonnwendstein und Hirschenkogel



Über den Gahns zur Pottschacherhütte

Danach ging es noch ein ganz schönes Stück bergauf. Doch knapp vor dem höchsten Punkt findet man noch urige Bäume wie diesen hier.

Abbildung 9: Uriger Baum
Abbildung 9: Uriger Baum



Außerdem gibt es auch noch eine wunderschöne Aussicht auf den Schneeberg, bei der man auch noch die Fischerhütte sehen kann. Und dann hatten wir uns endgültig ein bisserl Bergabgehen verdient.

Abbildung 10: Der erhabene Schneeberg
Abbildung 10: Der erhabene Schneeberg



Und da trifft man dann auf die großen Ameisenhügel, von denen man einige in 100 Metern Abstand voneinander passiert. Was man auf diesem Foto nicht wahrnehmen kann und was der geneigte Leser mir jetzt einfach glauben muss, ist, dass die Ameisen nur in dem Bereich des Hügels außen aktiv waren, der noch im Schatten lag. Und somit sieht man auch hier wieder, dass das gemeine Insekt intelligenter ist, als der gemeine Wanderinformatiker, der sich bei brütender Hitze über einen Berg schleppt. (Ich bereue aber nichts!)

Abbildung 11: Ein kleines Ameisenhügerl
Abbildung 11: Ein kleines Ameisenhügerl



Ich habe es ja schon einmal hier erwähnt, dass ich meistens, wenn ich Ameisenhügel sehe, an Ant Colony Systems denke, mit denen man Optimierungsprobleme lösen kann. Ich wollte aber Johann als Nichtinformatiker nicht mit meinen Ideen verstören, und wir diskutierten darüber, wie nützlich und klug Ameisen sind. Beispielsweise haben die in ihrem Bau ein für sie angenehmes Klima. Während der gemeine Informatiker, wie ich in einem heißen, unklimatisierten Büro sitzt, während seine Arbeitsgeräte, die Server, auf angenehme 20 Grad heruntergekühlt werden.

Entlang des Wanderwegs runter zur Pottschacher Hütte trifft man auf viele idyllische Stellen, wie die folgende, die mich spontan an die Waltons erinnerte. Ich weiß auch nicht warum. Vielleicht weil es einfach zu schön ist, um wahr zu sein. (Obwohl: Die Waltons hatten es ja nie leicht. Sie stehen aber irgendwie für ein Familienidyll.)

Abbildung 12: Hier ist der Beweis! Die Waltons wurden am Gahns gedreht.
Abbildung 12: Hier ist der Beweis! Die Waltons wurden am Gahns gedreht.



Da Johann es schon ein wenig eilig hatte, und auch ich noch zu einem Fest gehen wollte passierten wir diesmal die Pottschacher Hütte und gingen direkt runter nach Gasteil, wo wir zirka um 2 Uhr ankamen und abgeholt wurden.

Normalerweise könnte man die Route dann nach Pottschach fortsetzen, allerdings muss man dann hauptsächlich asphaltierte Wege benutzen. Meine Freundin brachte Johann dann zum Bahnhof in Pottschach und wir fuhren dann weiter zum Pottschacher Zeltfest.

Erst Jahre später erfuhr ich, dass kein Zug rechtzeitig ging, und Johann mit dem Auto abgeholt wurde. (Nein nur ein Scherz. Ich hab ihn am Abend noch angerufen.)

Fazit

Ja, das kann ja nur positiv ausfallen. Es handelt sich hier um eine meiner Lieblingswanderungen. Sie ist zwar anstrengend, aber die schönen Aussichten und die Eindrücke auf den Wanderwegen sind einmalig.

Ich geh den Weg auf jeden Fall wieder. Spätestens im Jahr 2012!